Die Freiherrschaft Diessbach
Die Herrschaft Diessbach
umfasste bis 1798 die Gemeinden Diessbach, Aeschlen, Bleiken, Hauben,
Ausserbirrmoos, Schöntal und Barschwand. Sie kam 1427 durch Kauf
zur Hälfte an den reichen Kaufmann Claus von Diesbach, dessen Söhne
1467 auch die andere Hälfte erwarben. Für das nach der Zerstörung
der Burg Diessenberg (1331) im Dorf erbaute hölzerne Herrenhaus wurde
von Niklaus von Diesbach 1546 ein neues Schloss (heute Altes Schloss)
errichtet.
1647 ging die Herrschaft von der Witwe des Christoph von Diesbach um 50'000
Pfund an den Schwiegersohn Sigmund von Wattenwyl über, dessen Bruder
Oberst Albrecht von Wattenwyl, der Erbauer des Neuen Schlosses, es schon
im Jahr 1648 übernahm. Seither ist der Gutsbesitz Eigentum der Familie
von Wattenwyl.
Neues Schloss Ober-Diessbach
Erbaut 1666-1668 durch Albrecht von Wattenwyl (1617-1671), Oberst in französischen Diensten unter König Ludwig XIV.
Der Landsitz gilt als einer der vornehmsten der französischen Spätrenaissance
im Bernbiet. Er entstand neben dem nördlich gelegenen "Altes
Schloss" von 1546, das ein Jahrhundert lang den Herren von Diesbach
als Stammsitz gedient hatte.
Am Bau des Schlosses welches glücklicherweise unverändert geblieben
ist, war der Neuenburger "maistre architecte" Jonas Favre beteiligt.
Der Bau repräsentiert in seiner Grundrissanlage einen besonderen
Typus. Jedes Stockwerk ist durch das monumentale Treppenhaus in zwei Flügel
getrennt. Das Äussere ist deutlich in drei Trakte gegliedert, wovon
der mittlere, das Treppenhaus, die Verbindung mit den zwei anderen herstellt.
Das behäbige sanft ausschwingende Walmdach wird symmetrisch durch
drei mit Aufsätzen bekrönten Lukarnen aufgelockert, deren mittlere
mit dem Wappen des Bauherrn verziert ist.
Obwohl der Bau des Neuen Schlosses sowohl an Details wie auch in der Gesamtanordung
von den klassischen Formen der französischen Renaissance geprägt
ist, sind barocke Einflüsse nicht zu übersehen. Neben dem Treppenhaus,
ist vor allem auch die Gesamtanlage, die hier zum ersten Mal bei einem
Gebäude dieses Typs in die Landschaft integriert ist, und der Garten
selbst nach barocken Prinzipien gestaltet.
Ein schmiedeisernes Régence-Gitter trennt den Garten von den in
den Achsen liegenden Alleen, die zusammengezählt die stolze Länge
von einem Kilometer aufweisen. Das Neue Schloss von Oberdiessbach gilt
als frühes Beispiel einer bernischen Campagne, die bewusst auf die
sie umgebende Landschaft architektonisch abgestimmt und auch lagemässig
ausgerichtet ist. Der Berner Schriftsteller Rudolf von Tavel charakterisiert
im Roman "Frondeur" das Neue Schloss "mit syne stolze Bogefänschter,
de schöne Gitter und de Chemi, wo wie chlyni Türm usem mächtige
Dach ufgwachse sy"